Bühne

Auftragswerk der Bayerischen Staatsoper: „liebe. nur liebe“
Komposition: Minas Borboudakis
Idee und Libretto: ich

Ausschnitt aus dem Programmheft… Alles kapiert?

20080705-008

Pressestimme:

Viel Applaus für Jugendoper «liebe. nur liebe» von Frank Maria Reifenberg und Minas Borboudakis

Von Sandra Tjong
26. Jul 2007, 11:12

München – Die Jugendoper «liebe. nur liebe» ist bei ihrer Uraufführung am Mittwochabend im Münchner Marstall-Theater beim Publikum auf große Zustimmung gestoßen.

Bei dem Werk des Griechen Minas Borboudakis, das die Bayerische Staatsoper für die Festspiele in Auftrag gegeben hatte, halten sich anders als bei einer Oper im klassischen Sinne Musik und gesprochener Text die Waage. Die Hauptrolle eines jungen Mannes, der hormongeplagt erste Freuden und Qualen der Liebe durchlebt, nimmt außerdem kein Sänger ein, sondern der Jungschauspieler Johannes Klama. Für seine erfrischende Darbietung heimste er besonders viele Bravos ein.

liebefoto(Szenenfoto)

Das Arrangement unter der Regie von Cornel Franz ist schlicht: Außer den zwölf Instrumentalisten und Dirigent Kent Nagano am Pult ist vor dem Publikum eine kleine erhöhte Bühne aufgebaut, auf der der Protagonist bisweilen auf Boden und Wand Gedanken über die Liebe niederschreibt. Die meiste Zeit jedoch treibt er sich auf dem Balkon oder zwischen Orchester und Publikum herum. Hier durchlebt er das Aufkeimen der sexuellen Begierde, erste Anbandelungsversuche, Eifersucht und den Schmerz des von der Geliebten Verlassenen. Bunte Bilder in einem Monitor über dem Orchester illustrieren das Thema Liebe in der heutigen Welt.

Außer Klama treten acht Sänger auf, allesamt Mitglieder des Opernstudios. Mit ihren mal liturgisch anmutenden, mal rhythmischen und elektronisch verfremdeten Gesängen kommentieren sie – ganz wie der antike griechische Chor – das Geschehen oder geben Gedanken des jungen Mannes wieder. Vereinzelt nehmen sie auch die Rolle einer weiteren Figur ein. Dadurch, dass die vier Frauen und Männer oftmals seitlich und hinter dem Publikum auf dem Balkon verteilt stehen, ergibt sich ein besonderer Raumklang.

Einen die Emotionen des Jünglings kommentierenden Part übernimmt auch das Orchester, das aus zwölf Mitgliedern der Orchesterakademie besteht. Entsprechend des Gefühlschaos des Heranwachsenden lösen sich helle und dramatisch-dunkle Klangflächen ab. Die rhythmische Musik, bei der auch mal das Klavier als Schlaginstrument dient und auf Holzbläsern Zischlaute fabriziert werden, entbehrt auch nicht humoristischer Momente – ganz wie das Geschehen auf der Bühne.

Im Libretto nähert sich der Jugendbuchautor Frank Maria Reifenberg dem Thema Liebe von der Seite eines Pubertierenden. Den Protagonisten lässt er dabei nicht nur mit seinen Trieben kämpfen, sondern auch ganz banal über Mundgeruch nachdenken. Und in einer scheinbaren Improvisation Klamas finden auch Fragen zum Zungenkuss und die Band Tokio Hotel Erwähnung. Schließlich ist das Musiktheater-Werk ja für die Jugend gedacht.
© 2007 dpa – Deutsche Presse-Agentur