Engel, Clementine und ein geraubter Prinz – Lesung im Literaturhaus Wiesbaden

Autorenlesungen bilden. Manchmal haben nicht nur die Zuhörerinnen und Zuhörer, sondern auch den Autor etwas davon. Denn ohne die Einladung in die Villa Clementine, die das Literaturhaus Wiesbaden beherbergt, hätte ich nie die traurige Geschichte von Ernst Meyer und Clementine erfahren, mir wäre verborgen geblieben, dass hier ein Teil der Buddenbrooks-Verfilmung von 1978 stattgefunden hat und dass es sogar einen Prinzenraub gab, mit dem die Villa in engster Verbindung stand. Heute stand allerdings nur der Herr Reifenberg auf dem Programm und las aus seinem Roman „Landeplatz der Engel“ vor; einen Filmausschnitt und einen Moderator, nämlich Klaus Krückemeyer vom Hessischen Rundfunk, gab es auch noch. Alles zusammen ein ziemlich ordentliches Programm für die Jungs und Mädels der 9. Klasse der Erich-Kästner-Schule.

Die Villa wurde 1877 vom Fabrikant Ernst Meyer in Auftrag gegeben, für seine Frau Clementine, aber die starb noch vor der Fertigstellung des Hauses, wenn das nicht traurig ist? Kaum drei Jahre später wird es aber dramatisch:

(…) die Villa rückt ins Zentrum internationaler Aufmerksamkeit – heute würde man sagen: in die Schlagzeilen. Was war geschehen? Königin Natalie von Serbien hatte ihren Gatten, den serbischen König Michael („König Lustig des Balkans“) fluchtartig verlassen, weil ihr dessen ausschweifendes Leben, seine Trunk- und Verschwendungssucht auf die Nerven gingen (vom Wiener Hof war sie anderes gewöhnt). Den Kronprinzen Alexander nahm sie mit, damit dieser nicht werde wie sein Vater. Nach einer Irrfahrt über Florenz und Wien, stets auf der Flucht vor den Häschern des Königs, mietet sie sich im Juni 1888 zunächst im Wiesbadener Hotel „Vier Jahreszeiten“ ein. Sie suchte einen repräsentativen Wohnsitz für sich und den Kronprinzen, den sie schließlich in der Villa Clementine fand. Dort wird sie dann aber kurze Zeit später von König Michael ausgespäht: Dieser verlangt ultimativ die Herausgabe des Thronfolgers, um die Dynastie zu sichern. Die Drähte zwischen dem Balkan und Berlin laufen heiß: König Michael setzt die Deutsche Reichsregierung unter Druck. Am 13. Juli 1888 kommt es dann zu einer denkwürdigen gemeinsamen Aktion des deutschen und des serbischen Staates: Die Villa wird von Offizieren umstellt, der Wiesbadener Polizeipräsident und der serbische Kriegsminister verschaffen sich Zutritt und konfiszieren persönlich den kleinen Prinzen. Die Königin verlässt Deutschland daraufhin fluchtartig. (Quelle: Christian Sass auf der Homepage des Fördervereins des Literaturhauses)

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2 Kommentare zu “Engel, Clementine und ein geraubter Prinz – Lesung im Literaturhaus Wiesbaden

  1. Oh, das sind ja richtig detaillierte Recherchen zur wechselvollen Geschichte unserer Villa Clementine. Sehr schön!

    Was ich aber eigentlich sagen wollte: Wir, die Kooperationspartner Literaturhaus Wiesbaden und Landesverband Hessen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, hatten eine sehr gelungene Lesung mit Frank Reifenberg. Mit „Landeplatz der Engel“ haben wir im neuen Schuljahr unsere Lesungsreihe „Junges Literaturhaus“ zum aktuellen Schwerpunktthema „Echte Freunde?!“ eröffnet.

    Vorab gab’s eine Filmsequenz zum Tourette-Syndrom, einer neuropsychatrischen Erkrankung, die in „Landeplatz der Engel“ von Bedeutung ist. Danach der Einstieg in den Roman mit Frank Reifenberg, der ein toller Vorleser ist. Die Geschichte von Fabian und Mirco kam bei den Jugendlichen sehr gut an. Das verwundert nicht, denn die beiden Charaktere wirken sehr authentisch durch ihre Art zu denken, zu handeln und zu sprechen.

  2. Danke, Frau Bucher, es war auch wirklich ein schöner Rahmen und gut vorbereitet! Das überträgt sich auf den Vorleser und die Zuhörer und alle anderen! Herzliche Grüße
    Frank Reifenberg

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