Struwwelpippi 2012

„Musst du dich verkleiden?“, war die erste Frage meines Freundes und Kollegen David Fermer. Nein, das muss ich nicht, auch wenn ich für 2012 von der Stadt Echternach, vom Kultusministerium in Luxemburg und vom Centre national de littérature/Lëtzeburgischen Literaturarchiv zum Struwwelpippi 2012 gewählt wurde und in diesem Jahr zur Springprozession nach Echternach fahre.

Die Autorenresidenz für Kinder- und Jugendbuchautoren ist eine Auszeichnung und ein Stipendium, also ein Geldpreis, für die ein Autor ausgewählt wird. Der Preis ist jedoch mit der Auflage versehen ist, dass der Autor sich für eine bestimmte Zeit an einem bestimmten Ort aufhält und dort am kulturellen Leben teilnimmt. Da solche Auszeichnungen oft von Städten ausgeschrieben werden spricht man auch von „Stadtschreibern“. Für die Struwwelpippi Kinder- und Jugendbuchautorenresidenz  wird jedes Jahr ein deutschsprachiger Kinder- und Jugendbuchautor  gesucht, der  bereit ist, für die Dauer von einem Monat in Echternach zu leben und zu arbeiten und dabei ein für Luxemburg typisches vielsprachiges Umfeld, das durch ein Neben-, Mit- und Gegeneinander yon Lëtzebuergesch, Deutsch und Französisch gekennzeichnet ist, zu erkunden. Der Autor/die Autorin wohnt in einem spätgotischen Patrizierhaus im Zentrum der Stadt. Er erhält ein einmaliges Stipendium von 5000 €, eine Pauschale für Reise- und Aufenthaltskosten und er kann auf organisatorische Betreuung vor Ort zurückgreifen. Für die Dauer der Residenz besteht Präsenzpflicht sowie Teilnahme am kulturellen Leben. Der Kinder- und Jugendbuchautor soll dabei eine öffentliche Veranstaltung in Echternach, sowie mehrere Lesungen an Luxemburger Schulen bestreiten, mit den Lehrern oder Lehramtskandidaten über Kinder- und Jugendliteratur diskutieren, Kontakt aufnehmen zu Schriftstellerkollegen und den Medien in Luxemburg. Auch wird erwartet, dass der Echternach-Aufenthalt seinen konkreten Niederschlag im literarischen Schaffen des Autors findet.

Der Name der Autorenresidenz Struwwelpippi ist zusammengezogen aus den Titeln der Kinderbuchklassiker Struwwelpeter von Heinrich Hoffmann und Pippi Langstrumpf von Astrid Lindgren. Bei den Figuren handelt es sich um eine männliche und um eine weibliche Figur, es sind also sowohl Autorinnen als auch Autoren angesprochen. Die große Bandbreite, die zwischen den Gedichten des Struwwelpeter, mit ihrer didaktischen und moralisierenden Absicht, und der freiheitsliebenden und unkonventionellen Abenteuergeschichte Pippi Langstrumpf besteht, zeigt dass verschiedenste Gattungen der Kinder- und Jugendliteratur in Frage kommen.
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