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aus der schreibwerkstatt

Ich werde auf Lesungen oder in Zuschriften immer wieder gefragt, wie man Autor wird. Oder wie man das Schreiben erlernt. Zunächst sind das zwei Vorgänge, die nicht unbedingt gleichzusetzen sind. Schreiben kann jeder, der in der Schule gelernt hat, Buchstaben, Wörter und Sätze in eine halbwegs sinnvolle Reihenfolge zubringen. Wenige sind dann Naturtalente oder besser gesagt: von der Natur beschenkte. Sie können sich hinsetzen und ihre Ideen und Botschaften in die Tasten hauen und es kommt etwas dabei heraus, das ein Verleger entdeckt, mag und veröffentlicht. Damit meine ich nicht die Moderatorinnen, die bereits eine Medienerscheinung sind und dann einen Roman über Sümpfe schreiben oder Entertainer, die wandern gehen und daraus einen Bestseller destillieren.

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Wenn einem mal gar nichts mehr einfällt: der Assoziationsblaster.

“Der Assoziations-Blaster ist ein interaktives Text-Netzwerk in dem sich alle eingetragenen Texte mit nicht-linearer Echtzeit-Verknüpfung(TM) automatisch miteinander verbinden. Jeder Internet-Benutzer ist aufgerufen, die Datenbank mit eigenen Texten zu bereichern.
Die einzelnen Beiträge können nicht der Reihe nach gelesen werden, stattdessen wird anhand der entstehenden Verknüpfungen von einem Text zum anderen gesprungen. Die dadurch entstehende endlose Assoziations-Kette vermag dem Zusammenhalt der Dinge schlechthin auf die Spur zu kommen.
Die Datenbank mit den Texten ist nach Stichworten geordnet. Jeder Text gehört zu einem bestimmten Stichwort und die Stichworte stellen auch die Verbindungen zwischen den Texten her. Jeder Internet-Benutzer darf auch neue Stichwörter eintragen, die dann sofort Auswirkungen auf alle bereits vorhandenen Texte haben.”

Man wählt einen Begriff, bekommt meist kurze Beiträge dazu geliefert und klickt sich einfach von Begriff zu Begriff weiter… Dann mal viel Spaß!

Mirco nennt Fabian im LANDEPLATZ DER ENGEL “Yalla”. Yallayallayalla ist für ihn die lautmalerische Nachbildung eines motorischen Tics von Fabian, bei dem er mit der Zunge schnalzt, sie kreisen lässt – wie der Trucker aus “Thelma & Louise”. Bei diesem ist das natürlich obszön gemeint, soll “Ich will euch lecken!” heißen. Mirco hätte die Sache auch anders beschreiben und einen anderen Spitznamen für Fabian auswählen können. Da kommt dann der WIile des Autors ins Spiel. Yalla hat auch noch eine weitere Bedeutung.

“Yalla” kommt aus dem Arabischen und ist eine Verkürzung aus “Ya Allah”. Der Ausruf ist zu verstehen als Bitte an Gott, einem Menschen zu helfen. Wenn ein Bauarbeiter, der gerade einen schweren Stein “Ya Allah” sagt, dann heißt so viel wie: “Gott, hilf mir, dass ich diesen schweren Stein tragen kann!”

Schnell hat sich im arabischen Raum die Kurzform “Yallah” eingebürgert, die in allen bedenklichen Situationen gebraucht wird, auch als Anfeuerung und Aufruf sich zu beeilen, etwas schneller zu tun oder auch: aufzubrechen. Komm, mach schon, mach hinne, los jetzt! Lass uns aufbrechen. Mirco sagt das ziemlich häufig… :-)

Woher nimmst du das mit der Prostituierten im LANDEPLATZ DER ENGEL? Wie kommst du in den Kopf eines Jungen mit Tourette?  Sind Sie selbst betroffen? Ist Fabian Ihr Sohn? Fragen, die mir oft gestellt werden.

Schreiben erfordert Recherchen, mal mehr, mal weniger. Die ersten Schritte der Annäherung an das Thema Tourette waren natürlich Erfahrungsberichte von Betroffenen, auch Fachliteratur, Bücher, hier und da ein Fernsehbericht. Es war zwar nicht ganz einfach persönliche Kontakte herzustellen, zumal ich gerne jüngere Leute mit Tourette treffen wollte. Mit etwas Mühe habe ich mich dann zu Betroffenen „vorgekämpft“, schon vor Jahren. Mit Mühe, weil sie oft von den Eltern „abgeschirmt“ wurden gegenüber allem, was nach Medien roch. Die Offenheit ist da heute etwas gewachsen, weil sich einfach mehr Menschen für das Thema interessieren und auch die seriöse Berichterstattung zunimmt (ist mein Eindruck…?).

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Fast eine Seite technischer Daten eines Computers? In einem Roman? Hat der Reifenberg sie noch alle? Keine Ahnung, aber es war eine wunderbare Möglichkeit, etwas über Fabian im LANDEPLATZ DER ENGEL) und seine Erkrankung zu erzählen.

Und irgendwie hat es mich auch gereizt, mal so etwas Absurdes in einem Buch unterzubringen, ich gebe es ja gerne zu. Vielleicht sollte ich hier auch noch einmal deutlich machen, dass es im Landeplatz nicht darum ging, ein perfektes Abbild des Tourette-Syndroms zu liefern. Read More

Linie 7 in Köln, SIE spricht am Handy mit WEM AUCH IMMER (hier dargestellt als “***”:

“Ey!” “***” – “Spinnst?” – “***” – “`sch fahr Zündorf, ey.” – “***” – “`sch fahr nisch Chorweiler…” – “”***” – “Züüün-do-horf” – “***” – “Bis´ taub oder schwul, oder was?” …

Viele, die sich mit Büchern beschäftigen und lesen, leben in einer Welt, die oft nur am Rande mit der “Wirklichkeit” zu tun hat. Sprache, wie diese sie erleben, hat wenig mit dem Alltag zu tun. Alltagssprache ist auch in den seltensten Fällen etwas, das einem Buch gut tut. Schreiben lebt vom Entwurf neuer Welten, auch neuer Sprachwelten. Dazu muss man aber Alltagssprache kennen. Viel mit Bussen und Straßenbahnen fahren und hinhören hilft dabei.

Die Sternchen stehen natürlich für den Gegenpart – wohl ein ER, sonst hätte sie ja lesbisch gesagt, aber vielleicht meinte sie es auch gar nicht SO wörtlich??? ;-) ;-) – seine Beiträge wurden mir leider verheimlicht.

Niklas Schütte gestaltete den Umschlag für den “Landeplatz der Engel”. Sein Bericht über erste Ideen, Entwürfe und den manchmal steinigen Weg bis zum fertigen Cover:

Nachts. Das Auge schwebt über der Stadt. Unten die Lichter einer Hochhaussiedlung, Plattenbau, Parkplätze, fahrende Autos. Irgendwo da unten suchen zwei Jungs nach Halt, nach Freundschaft und einem Ausweg. Und irgendwo da unten gibt es vielleicht einen Landeplatz für Engel. So in etwa war mein erstes Szenario, das in die Tonne wanderte…

 

Bevor man den Computer anschmeißt, muss man zuhören. Und zwar dem Auftraggeber, also im Fall eines Buchumschlags den zuständigen Lektorinnen oder Lektoren aus dem Verlag, um zu verstehen, welchen Platz das Buch innerhalb des Verlagsprogramms und später in den Auslagen der Buchhandlungen einnehmen soll. Erst wenn man eine ungefähre Vorstellung davon hat, in welche Richtung die Gestaltung gehen sollte, macht es Sinn, mit den „Scribbles“ zu beginnen, den ersten groben Skizzen, und sich so auf die Suche nach der kostbarsten Beute zu begeben, einer Idee.

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